Das im Jahr 1887 in Klagenfurt erschienene Buch „Die Gemse“ von Franz Carl Keller war so ziemlich das erste umfassende Werk, das sich ausschließlich dem Gamswild widmete. Der Schwerpunkt dieses frühen Standardwerkes liegt ganz gar aus einem Aspekt, der in den heutigen wildwildbiologischen Werken fast immer zu kurz kommt: der Jagd.
Pirsch, Ansitz und – damals die Hohe Schule der Gamsjagd – Treibjagd und Riegeljagd werden ausführlich, lebendig und bildhaft beschrieben. Auch die Jagd mit der Bracke auf den Gams wird vorgestellt. Ein Schmuckstück des Buches ist das Kapitel über die Sagen rund um den Gams. Nicht nur die legendäre Zlatorog-Geschichte – der weiße Gams mit der Goldenen Krucke – wird ausführlich dargestellt. Es sind vor allem die wenig bekannten kleinen Sagengeschichten, die sich um den Gams ranken: Geschichten aus dem Salzkammergut, aus Admont, vom Dobratsch, dem Reißkofel, vom Bodensee und aus Tirol.
Bestechend auch die Erzählungen, aus denen hervorgeht, was der echte Gamsjäger in alten Tagen brauchte: gute Kondition geistige Fitness, Zähigkeit im Verfolgen seiner Beute. Kein Wunder, dass er in der Gesellschaft hohes Ansehen genoss. Und heute?
Ein Buch für Bücherfreunde. Und für Freunde des Gamswildes.



